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Praxis für Ergotherapie Wolters & Sohns
Kleines Lexikon wichtiger Begriffe aus der Ergotherapie, der Sozialmedizin und den Arbeitswissenschaften
- Arbeitsanforderungen
- Arbeitsauftrag – Arbeitsaufgabe
- Arbeitsplatzanalyse
- Beanspruchung
- Belastbarkeit
- Belastbarkeitsprofil
- Belastung
- Leistungsvoraussetzungen
- Motivation
Die Anforderungen einer Arbeitstätigkeit ergeben sich aus dem Arbeitsauftrag und den Arbeitsbedingungen, unter denen er zu erfüllen ist.
Zu den Arbeitsbedingungen gehören z. B. Arbeitsmaterialien und Werkzeuge, die Umgebungsbedingungen (z. B. klimatisiertes Büro, Baustelle, Werkhalle mit künstlichem Licht) oder auch organisatorische Vorgaben (z. B. Schichtbetrieb, Fließbandarbeit, Pausenregelung).
Es gibt drei mögliche Beschreibungsebenen für Arbeitsanforderungen:
- Aufgabenebene,
- Verhaltensebene,
- Eigenschaftsebene,
z. B. Herr X hat die Aufgabe, zusammen mit zwei Kollegen einen Dachstuhl zu bauen
z. B. Herr X muss Bauzeichnungen lesen können, das gesamte Baumaterial auf das Dach transportieren können etc.
z. B. Herr X muss Dachdecker sein, er muss kräftig sein, gutes Augenmaß haben, sorgfältig und ausdauernd arbeiten können etc.
Arbeitsauftrag – Arbeitsaufgabe
In den Arbeitswissenschaften, v. A. in der Arbeitspsychologie wird zwischen Arbeitsauftrag und Arbeitsaufgabe unterschieden. Der Arbeitsauftrag meint den Auftrag, wie er durch den Arbeitgeber erteilt wird. Der arbeitende Mensch muss sich anhand dieser Vorgaben – die unterschiedlich konkret sein können – ein Bild davon machen, was er tun und wie das Ergebnis aussehen soll. Es ist nicht nur wissenschaftlich belegt sondern entspricht auch der Alltagserfahrung, dass es zwischen dem Arbeitsauftrag des Arbeitgebers und der subjektiven Arbeitsaufgabe des arbeitenden Menschen Unterschiede und Abweichungen gibt. Deshalb wird mit Arbeitsaufgabe meist die individuelle, subjektive Spiegelung des "objektiven" Arbeitsauftrags gemeint.
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Beispiel:
Zwei Arbeiter an einer Fräsmaschine beschreiben im Interview ihre Arbeit relativ übereinstimmend. Auf die Frage, worauf es besonders ankomme, betont einer die Schnelligkeit der Arbeitsausführung und die möglichst hohe Anzahl der gefertigten Teile, der Andere meint dagegen, dass es die Präzision der Teile besonders wichtig sei, da nur geringe Toleranzen gelten würden. Beide hatten den selben Arbeitsauftrag erhalten.
Gegenstand der Arbeitsplatzanalyse sind die Arbeitsanforderungen, die sich aus dem Arbeitsauftrag und den Ausführungsbedingungen ergeben sowie die spezifischen Belastungen, die an einem Arbeitsplatz wirken. Methodisch kommen zumeist Interviews, Beobachtungen am Arbeitsplatz und Checklisten zum Einsatz. Es steht aber auch eine Reihe standardisierter arbeitswissenschaftlicher Erhebungsverfahren mit unterschiedlichen Einsatzschwerpunkten zur Verfügung.
Unter Beanspruchung versteht man die Reaktion eines Menschen auf eine einwirkende Belastung. Diese kann den gesamten Körper, ein Organsystem (z. B. Erhöhung der Kreislaufaktivität), ein einzelnes Körperorgan (z. B. Umfangzunahme des Bizeps) oder eine isolierte Funktion eines Organs (z. B. differenziertere Farbwahrnehmung) betreffen. Die Beanspruchung ist einerseits abhängig von Art, Dauer und Ausprägung der Belastung, andererseits aber auch von persönlichen Faktoren, wie Alter, Geschlecht, Konstitution, Trainingszustand, Ausbildung und Erfahrung, Gesundheitszustand und psychischer Verfassung. Aber auch Faktoren, wie z. B. Arbeitsgestaltung und Betriebsklima beeinflussen die Beanspruchung.
Da sich verschiedene Menschen in ihren individuellen Leistungsvoraussetzungen unterscheiden, fällt ihnen das Erfüllen gleicher objektiver Anforderungen beim Ausführen der Tätigkeit unterschiedlich schwer. Aus dem Bezug von Anforderungen auf die individuellen Leistungsvoraussetzungen ergibt sich die Beanspruchung des Menschen, verstanden als das Ausmaß der Inanspruchnahme der individuellen Leistungsvoraussetzungen durch die Tätigkeit.
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Beispiele:
Ein kleiner, schmächtiger Bauarbeiter wird durch das Tragen von Zementsäcken deutlich stärker beansprucht, als ein großer, kräftiger, durchtrainierter Bauarbeiter.
Eine unter Mobbing leidende Sekretärin wird durch die gleiche Menge Schreibarbeiten stärker beansprucht als ihre beliebte, geachtete Kollegin.
Mit Belastbarkeit ist gemeint, in welchem Ausmaß der arbeitende Mensch den Anforderungen/Belastungen gewachsen ist – ohne dass es zu Funktionsbeeinträchtigung oder einer physischen/psychischen Destabilisierung kommt. Die Belastbarkeit umfasst sowohl qualitative (Kann eine bestimmte konkrete Tätigkeit ausgeführt werden?) als auch quantitative (Wie lange oder wie oft kann eine Tätigkeit ausgeführt werden?) Aspekte.
Menschen unterscheiden sich in ihrer Belastbarkeit. Die individuelle Belastbarkeit ist z. B. abhängig von Alter, Geschlecht, Konstitution und Kondition, aber auch von psychischen Faktoren, wie z. B. Arbeitszufriedenheit, Motivation o. ä. Sie wird aber auch durch Arbeitsbedingungen, wie z. B. Klima, Lärm, Beleuchtung, Arbeitsplatzgestaltung etc. beeinflusst. Zudem kann die Belastbarkeit durch Unfall- oder Krankheitsfolgen beeinträchtigt werden.
Was sind Belastbarkeitsprofile?
Das Belastbarkeitsprofil beschreibt – je nach Fragestellung – die individuelle Belastbarkeit eines Menschen bezogen
- auf die Anforderungen/Belastungen seines konkreten Arbeitsplatzes (= arbeitsplatzbezogene Belastbarkeit),
- auf die Anforderungen/Belastungen seines Berufes
(= berufsbezogene Belastbarkeit), - auf den allgemeinen Arbeitsmarkt (= arbeitsmarktbezogene Belastbarkeit)
Belastbarkeitsprofil arbeitsplatzbezogen
Sie dienen zur Sachverhaltsklärung und Objektivierung, ob oder in welchem Rahmen ein Rehabilitand seine spezielle berufliche Tätigkeit ausführen kann.
Beispiel:
Der Auftraggeber möchte geklärt haben, ob Herr B. seine Tätigkeit als Maurer wieder ausüben kann.
Vorgabe für die Erstellung eines arbeitsplatzbezogenen Belastbarkeitsprofils ist das individuelle Tätigkeitsprofil bzw. das, was individuell gefordert wird.
Das arbeitsplatzbezogene Belastbarkeitsprofil zeigt deutlich, welche Anforderungen der Rehabilitand tatsächlich angemessen leisten kann und welche individuellen Anpassungsmöglichkeiten (Kompensationsmöglichkeiten, Hilfsmittel, Arbeitsplatzgestaltung) es gibt, damit der Rehabilitand seine Arbeit dauerhaft ausführen kann.
Im Rahmen des Belastbarkeitsprofils werden Verhaltensbeobachtungen angestellt. So kann z.B. geklärt werden, inwieweit die erhobenen Befunden mit den gezeigten Leistungen übereinstimmen.
Belastbarkeitsprofil arbeitsmarktbezogen
Sie klären den Sachverhalt, welche körperliche Belastungsfähigkeiten (unter Berücksichtigung der üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes) ein Rehabilitand besitzt. Das arbeitsmarktbezogene Belastbarkeitsprofil ist eine positive Darstellung der vorhandenen Belastbarkeit.
Beispiel:
Der Auftraggeber möchte geklärt haben, welche Tätigkeiten Herrn B. zuzumuten wären, damit er innerbetrieblich umbesetzt werden kann. Nach Erstellen des Profils kann der Auftraggeber mögliche Arbeitsplatzbeschreibungen dem Belastbarkeitsprofil gegenüber stellen.
Vorgaben für die Erstellung eines arbeitsmarktbezogenen Belastbarkeitsprofils sind typische Komplexbewegungen, wobei wir von typischen Ausgangspositionen ausgehen (Gehen, Stehen, Sitzen) aus denen Variationsmöglichkeiten entstehen, z.B. Gehen in Verbindung mit Tragen, Stehen in Verbindung mit Heben in verschiedenen Arbeitshöhen, Hocken oder über Kopf arbeiten.
Unter Belastung versteht man im weiteren Sinne alle Einwirkungen auf den Menschen, die sich aus dem Vollzug der Arbeit unter den Bedingungen des konkreten Arbeitsplatzes ergeben. Im engeren Sinne werden darunter nur solche Einflussfaktoren verstanden, die beim arbeitenden Menschen nachweisbar (negative) Wirkungen hervorrufen.
Berufliche Belastung kann
- aus der Art und dem Schwierigkeitsgrad der Arbeitsaufgabe (z. B. schweres Heben und Tragen, Zwangshaltungen, hohe Konzentration und Verantwortung bei Fahr-, Steuer- und Überwachungstätigkeiten, monotone Büroarbeit ("Knicken, Lochen, Abheften"),
- aus den physikalischen, chemischen, biologischen Arbeitsumweltbedingungen (z. B. Beleuchtung, Klima, Lärm, Gefahrstoffe, physikalische Einwirkungen, wie z. B. Vibration),
- aus den speziellen Vollzugsbedingungen (z. B. Einzel- oder Gruppenarbeit, technische Hilfsmittel, Zeitvorgaben),
- aus den sozialen Beziehungen zu Kunden, Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeitern resultieren.
Dazu zählen – neben weiteren – z. B.
- Begabungen (z. B. zeichnerisches oder musikalisches Talent),
- Fähigkeiten und Fertigkeiten (z. B. feinhandwerkliches Geschick, mathematische Fertigkeiten),
- körperliche Konstitution (Körperbautyp) und Kondition (Trainingszustand),
- Qualifikation (z. B. Berufsabschlüsse, Weiterbildungen),
- Erfahrungen (z. B. Anzahl der Berufsjahre oder Anzahl unterschiedlicher Tätigkeiten in einer Branche),
- Interessen und Neigungen (z. B. Hobbys),
- Wünsche und Bedürfnisse (z. B. Bedürfnis nach sozialer Anerkennung oder finanzieller Sicherheit).
Einige Leistungsvoraussetzungen sind Untersuchungen und objektiven Messverfahren (z. B. medizinische Untersuchungen, psychologische Tests) direkt zugänglich, andere können nur indirekt (z. B. Arbeitsprobe, Fragebogen, Interview) erschlossen werden.
Motivation definiert sich als die Bereitschaft eines Lebewesens, sich gewissen Gegenständen oder Tätigkeiten bewusst zuzuwenden und beständig zu widmen; beim Menschen versteht man unter Motivation die Bereitschaft, bewusst antizipierte (= geistig vorweg genommene) Ziele anzustreben, auch wenn dabei Schwierigkeiten und Hindernisse überwunden werden müssen.
"Motivation" meint ein Ausrichten des Handelns auf ein konkretes Ziel hin. Um beurteilen zu können, ob ein Mensch motiviert ist, muss man dessen Ziel kennen!


